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Bundesliga 15. Spieltag: Auf Manches ist und bleibt Verlass

Die Hinrunde der Saison 2016/2017 biegt langsam aber sich auf die Zielgerade ein, bevor es aber in die Winterpause geht, mussten die Akteure am letzten Wochenende vor Weihnachten nochmal zu unser aller Freude ran.

Die Ouvertüre bildete am Freitag Abend dann gleichzeitig das Topspiel des Spieltags. Die unbesiegbaren Nagelsmänner aus Hoffenheim empfingen die Borussia aus Dortmund und die Langfinger im Kraichgauer werden sich gefreut haben, denn das Stadion in Sinsheim war ausverkauft. Etliche Wohnungen und Häuser in und um Sinsheim standen also für spontane Besuche unbefugter Dritter zur Verfügung. Dem Spiel tat das aber keinen Abbruch, denn was den Zuschauern geboten wurde, war erstklassige Werbung für die Bundesliga: Tempo, Intensität, Zweikämpfe, Tore, diskussionwürdige Entscheidungen, alles war dabei. Es dauerte keine fünf Minuten, da umkurvte Uth den mäßig postierten Weidenfeller im Tor des BVB und schob zur Führung ein. Butterfinger Götze gelang zwar schon kurze Zeit später der Ausgleich, das Tempo des Spiels wollte aber einfach nicht abnehmen. So war es wenig verwunderlich, dass vor der Pause noch so einiges geschah. In der 20. Minute verlängerte Sandro Wagner, seit letzter Woche auch als Sandro der Barmherzige bekannt,  nach einer Ecke mit dem Hinterkopf über den verdutzten Weidenfeller ins Tor und brachte die TSG so erneut in Front.

Wagner trifft per Hinterkopf zum 2:1 (Quelle: Kicker.de)

Aber die Dortmunder protestierten, wie man es sonst nur aus Ostdeutschen Innenstädten kennt, was war passiert? Wagner hatte sich im Luftduell mit Bender durch einen leichten Schubser etwas Platz verschafft – eine knifflige Entscheidung. Aber wer derzeit über Weihnachtsmärkte oder durch Einkaufsmeilen geht, kassiert heftigere Rempler als Sven Bender in diesem Moment, weshalb das Tor für mich in Ordnung geht. Weniger in Ordnung war dann allerdings der Platzverweis per Ampelkarte für Marco Reus kurz vor der Pause. Dieser beschwerte sich aber nicht, sodass es den Anschein hatte, als würde er sich irgendwie über den vorzeitigen Weihnachtsurlaub freuen. Unmittelbar nach der Pause klingelte es dann aber nochmal im Hoffenheimer Netz – Aubameyang, wer auch sonst, besorgte den verdienten Ausgleich, bei dem es trotz zahlreicher Hochkaräter auf beiden Seiten bis zum Ende blieb. Die Kraichgauer bleiben also auch nach 15 Runden ungeschlagen während die Dortmunder erneut, zumindest was das Ergebnis betrifft, auswärts nicht vollends zu überzeugen wussten.

Ähnlich erging es dem Ruhrpott-Nachbarn aus Gelsenkirchen letzte Woche im Heimspiel gegen Leverkusen, als man stark spielte, am Ende aber nichts zählbares dabei raussprang. Nun wollten die Knappen es gegen den SC Freiburg besser machen, was aber nur bedingt gelang. Gegen lauf- und kampfstarke Breisgauer tat man sich schwer, die eigene Feldüberlegenheit auszunutzen, was dazu führte, dass die Partie etwa so viel Freude bereitete wie Socker zu Weihnachten. Erst in der zweiten Halbzeit kam mal etwas Würze ins Spiel, als Niederlechner die Gäste frei vor Keeper Fährmann in Front brachte. Nur zehn Minuten später glich der starke Konoplyanka allerdings per Kopf aus, was gleichbedeutende mit dem Schlusspunkt unter diese Partie war. Eine gerechte Punkteteilung, die keinem wirklich weh tut, aber auch keinem wirklich weiterhilft.

Mit einem solchen Remis musste sich der FSV Mainz im Heimspiel gegen den zuletzt schier unbezwingbaren Dino aus Hamburg nicht zufrieden geben und der „Schuldige“ für diesen Umstand war schnell ausgemacht: Danny Latza.

Dreierpacker Latza beim Jubeln (Quelle: Kicker.de)

Denn der Mann mit dem Vornamen, der gut und gerne von Eltern wie Kevin und Chantal aus dem tiefsten Bitterfeld stammen könnte, haute dem HSV einfach mal seine ersten drei Bundesligatore um die Ohren wie ebendiese Chantal dem Kevin den Scheck von der ARGE. Dabei waren die Tore sehr ähnlich, denn bei allen hat der Mainzer Sechser zünftig von der Strafraumgrenze abgelatzt und seinem Namen alle Ehre gemacht. Da die Hamburger in der ersten Halbzeit schon mit 1:0 in Führung gegangen waren, endete das Spiel daher 3:1 für die Hausherren, die nach zuletzt drei Niederlagen in Serie einen versöhnlichen Heimabschluss des Jahres 2016 schafften. Beim HSV hingegen wurde man unsanft auf den Boden der Tatsachen des Abstiegskampfes zurückgeholt und Heribert Bruchhagen wird sich fragen, wie er diesen Sauhaufen wieder in geordnete Bahnen kriegt.

Ein Chaos fast schon hamburgischen Ausmaßes war unter der Woche im sonst so ruhigen und beschaulichen Augsburg anzutreffen, als die Meldung die Runde machte, dass Trainer des Jahres Dirk Schuster seiner Aufgaben enthoben wurde. Offiziell sahen die verantwortlichen die sportlichen Ziele in Gefahr, aber das ist in etwa so glaubwürdig wie die Liebesbekundungen von Sarah Lombardi für Pietro in den letzten Monaten. Woran lag es also? Da Schuster mit blauem Auge gesichtet wurde, bietet sich viel Raum für Spekulationen: Schlägerei auf der Reeperbahn nach dem Spiel in Hamburg? Unfall beim Tischtennis? Oder konnte man dem Coach die Niederlage beim HSV einfach nicht verzeihen? Die Wahrheit kennt man wohl nur beim FCA. Glücklicherweise war mit Borussia Mönchengladbach nun ein Team zu Gast, was auf Gegners Platz in etwas so viel Furcht verbreitet wie ein Kaninchen mit einer Weihnachtsmütze. So kamen die Augsburger in einem Spiel, was eher die intravenöse Versorgung mit Koffein als einen Sieger verdient hatte, zu einem glücklicher 1:0 Sieg durch den Ex-Gladbacher und Maskenmann Hinteregger. Nach einem mickrigen Pünktchen in sieben Auswärtsspielen könnte es somit für Trainer Schubert so kurz vor Weihnachten noch mal so richtig ungemütlich werden.

Ungemütlich ist es sehr häufig auch am Weserstrand in Bremen. Da machte auch dieses Wochenende mit nass-kalter Witterung keine Ausnahme. Trotzdem entwickelte sich zwischen Werder und dem 1. FC Köln ein munteres, spannendes Spiel, wenn auch das Niveau teilweise nicht ganz so hoch war. Die Kölner zeigten dabei die reifere Leistung und gingen auch verdient durch Rudnevs in Führung. Allerdings glich die personifizierte Bremer Brise Gnabry per Distanzschuss noch vor der Pause aus. Kölns Keeper Kessler sah dabei alles andere als gut aus und erinnerte bei seinem Versuch einer Parade eher an einen steifen Tippkick-Torhüter als an einen Bundesliga Schlussmann. Nach dem Pausentee lieferten sich beide Teams einen offenen Schlagabtausch, ließen dabei aber auch beide zahlreichen Chancen liegen wie Männer Socken neben dem Bett. Gegen Ende wirkten die Geißböcke dann aber fitter und hätten für ihre Bemühungen mit einem Elfmeter belohnt werden müssen.

Foul von Bauer an Höger – Eigentlich eine klare Sache (Quelle: Sky)

Doch die Pfeiffe vom schwachen Schiri Stark blieb stummt, sehr zum Unmut der Kölner. Dass der Unparteiische trotz freier Sicht und weit und breit keiner anderen Spieler drum herum diese Szene falsch beurteile, bleibt ein Rätsel. So blieb es am Ende beim 1:1 und beide Teams konnten ihre jeweiligen Serien ausbauen: Bremen ist nun seit vier Spielen ungeschlagen während der FC im gleichen Zeitraum auf einen Sieg wartet.

Über solche Zeiträume kann man in Leipzig nur lachen. Die Bullen verloren zwar zuletzt überraschend gegen Ingolstadt, hatten davor aber eine gefühlte Ewigkeit jedes Spiel gewonnen. Mit der Hertha aus Berlin war aber nun ein Team in Sachsen zu Gast, welches im bisherigen Saisonverlauf meist durch Disziplin und Sicherheit zu überzeugen wusste. Am Samstag zeigte sich die Hertha hingegen hoffnungslos überfordert wie ältere Damen mit Smartphones und ihr Anhang mal wieder mit einer geschmacklosen Entgleisung.

Geschmackloses Spruchband des Hertha-Anhangs (Quelle: 11Freunde.de)

Ralf Rangnick reagierte cool und sah es als Kompliment für seine Arbeit in Leipzig und damit hat er nicht Unrecht. Denn was sein Team gegen die Berliner auf dem Platz zeigte, war einfach dominant und stark. Dietrich Mateschitz, seines Zeichens Boss des Brause-Imperiums Red Bull, Milliardär und somit eigentlich der wahre Dukaten Didi, hatte auch den Weg ins Stadion gefunden um zu sehen, was sein Geld in Ostdeutschland gebracht hatte. Und er sah, dass es gut war. Leipzig spielte, Leipzig kombinierte und Werner und Orban trafen, sodass am Ende des Tages ein hochverdienter 2:0 Heimerfolg zu Buche stand. Dem Aufsteiger gelang also die Generalprobe vor dem Gipfeltreffen mit dem FC Bayern während man bei der Hertha augenscheinlich die Winterpause sehnlichst herbeisehnt.

Ähnlich geht es wohl den Verantwortlichen beim VfL Wolfsburg, die über die bisherigen Saison wohl am liebsten den Mantel des Schweigens legen würden wie St. Martin über den Bettler am Wegesrand. Mit Eintracht Frankfurt empfing man zudem am Samstag Abend einen Gegner, der bisher eine starke Serie spielte und vor allem durch Kampf und Einsatz überzeugt – Worte, die in Wolfsburg aktuell eher nicht im Wortschatz vorkommen. Umso überraschender war es, dass die Wölfe bissig auftraten und tatsächlich nach vorne spielten (Quelle Titelbild: Kicker.de). Als dann Bruma nach einer Ecke von Judas Draxler den Ball im Stile eine Abrissbirne per Eisenschädel unhaltbar im Tor unterbrachte, rieben sich einige Zuschauer aufgrund der Wolfsburger Führung verwundert die Augen. Nach der Pause wurde die Eintracht dann offensiv stärker und bekam vom Schiedsrichter nach einer Flugeinlage von Hasebe zu Unrecht einen Elfmeter zugesprochen, den Alex Meier aber großzügig über die Latte donnerte. Da danach ein klares Foul von Caligiuri an Rebic vom Schiedsrichter übersehen wurde und auch sonst den Frankfurtern nichts zählbares mehr gelingen sollte, blieb es beim 1:0 für den Vfl – ein kleines Weihnachtswunder. Für die Eintracht bedeutete dies die erste Niederlage nach zuletzt acht Spielen ohne während die Wolfsburger so kurz vor der Winterpause doch noch ihren ersten Heimsieg feiern konnten.

Mit einem Heimsieg rechneten am Sonntag Nachmittag nicht einmal die kühnsten Optimisten, als der kleine SV Darmstadt 98 den großen FC Bayern empfing. Und die Bayern brannten ein wahres Feuerwerk ab – allerdings nur in der Gästekurve.

 

Pyrotechnik im Bayern-Block (Quelle: unbekannt)

Auf dem Platz hingegen war es eine unheimlich lahme, zähe und absolut miese Partie, deren Unterhaltungswert in etwa auf einem Niveau mit einem Vortrag über die Reform des Investmentsteuergesetzes lag. Trotz 79% Ballbesitz für den Rekordmeister sprang nichts dabei heraus, was man als wirklich erwähnenswert bezeichnen kann. Mit einer Ausnahme: In der 71. Minute übernahm Douglas Costa das Spielgerät bei einem indirekten Freistoß an der Seitenauslinie von Thiago, zog nach innen und schweißte den Ball dann kurzerhand aus knapp 25 Metern unter die Querlatte. Das war der einzige Höhepunkt eines Spiels, welches der FC Bayern hässlich wie lange nicht mehr mit 1:0 für sich entschied und so die Tabellenführung behauptete. Und auch die Lilien konnten dadurch ihren Platz behaupten – keine Kunst, wenn es der Letzte ist.

Zum Abschluss des Spieltages trafen dann in Leverkusen, dem großen Kölner Vorort mit dem Chemieriesen, Bayer 04 und der FC Ingolstadt aufeinander. Auf dem Papier eigentlich eine klare Angelegenheit für die Werkself, die mit dem wundersam geheilten Kevin Kampl in der Startelf antrat. Aber in der ersten Halbzeit brachten die Leverkusener kein Bein auf die Erde wie eine kleine Frau auf einem hohen Hocker. Die Schanzer spielten dagegen mutig auf und näherten sich vor allem mit Standards immer wieder gefährlich an. Da wunderte es nicht, dass Morales im Anschluss an eine Ecke das 1:0 für die Gäste per Kopf besorgte. Die Leverkusener Abwehrspieler irrten aber nicht nur bei dieser Szene orientierungslos umher wie eine asiatische Reisegruppe ohne Reiseleiter. Als dann in der zweiten Halbzeit auch noch Aranguiz mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen wurde, gesellten sich zu den Pfiffen des Bayer-Anhangs auch „Roger raus!“ rufe. Trotzdem gelang Bayer der Ausgleich durch Mehmedi. Dieser sollte aber nicht lange halten, denn Cohen erzielte in der 73. Minute das Tor zum 2:1 Endstand. Die Ingolstädter schaffen so unter Coach Walpurgis den zweiten Sieg in Folge und finden mehr und mehr zu ihrem Spiel. Bei Roger Schmidt und seinem Team werden die Fragezeichen hingegen zunehmend größer. Wie kann man mit einem solchen Kader nach 15 Spieltagen nur 20 Punkte auf dem Konto haben und immer wieder so hässlich spielen, dass selbst Franck Ribery sich ekeln würde? Aber es gibt derzeit auch weiß Gott wichtigeres als das. Denn eigentlich gibt es nur eine Regel: Hauptsache Alessio gehts gut.

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