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Bundesliga 2017/2018, 32. Spieltag: Die werden doch nicht schon wieder…?!

Das Ende ist nah! Die Tage der Entscheidung rücken immer näher! Keine Sorge, nicht das jüngste Gericht steht vor der Tür sondern das Ende der Bundesliga Saison. Der 32. Spieltag liegt hinter uns und somit auch der letzte verteilte Spieltag.  Zum großen Finale finden dann ja bekanntlich alle Partien zeitgleich statt – damit auch ja niemand bevorteilt ist. So weit sind wir aber noch nicht, also rein in den drittletzten Spieltag. Aber Obacht: Neben der Meisterschaft ist doch tatsächlich die zweite Entscheidung der Saison endgültig gefallen.

Wenn man sich nicht entscheiden kann…

…dann gewinnt halt keiner. Nach dem Motto agierten gleich sechs Teams und teilten sich mehr oder weniger friedlich die Punkte. In Berlin sah es allerdings sehr lange überhaupt nicht danach aus. Im Spiel gegen den FC Augsburg ging es für beide Teams um absolut gar nichts mehr und genau das ließ die Hertha auch mit Genuss voll und ganz raushängen. Der FCA konnte tun und lassen, was er wollte und ging auch völlig verdient mit 2:0 in Führung. Doch dann betrat nach 82 Minuten Christoph Janker auf Seiten der Augsburger das Feld und alles wurde anders. Nur zwei Minuten später tölpelte er im Strafraum Selke um und Ibisevic verwandelte den fälligen Strafstoß zum Anschlusstreffer. Wiederum nur drei Zeigerumdrehungen weiter verschätzte sich Janker erneut und ermöglichte Davie Selke so frei vor dem Tor den späten Ausgleich zum 2:2 Endstand. Bei Duden überlegt man nun, ob neben dem Eintrag Unglücksrabe ein Foto von Christoph Janker abgedruckt werden sollte.

Allerdings gab es zeitgleich auch noch einen anderen Kandidaten, der für diese „Ehre“ in Frage kommt: Lars Stindl. Der Kapitän der Gladbacher Borussia erlebte nämlich beim Auswärtsspiel auf Schalke eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Zunächst geriet er mit Bentaleb aneinander, bekam einen tätschelnden Schlag von ihm an den Kopf und ging daraufhin zu Boden, als wäre er gerade aus einem Hinterhalt erschossen worden.

Bentaleb tätschelt Stindl, was diesem wohl nicht so gut gefiel (Quelle: Kicker.de)

Der Schalker Übeltäter sah trotzdem zurecht rot und fortan musste Königsblau in Unterzahl gegen die Fohlen bestehen. Nach einer guter halben Stunde legte Stindl dann sogar noch den Führungstreffer durch Raffael mustergültig auf, nur um sechs Minuten später ins emotionale Loch zu fallen. Was war geschehen? Stindl knickte im Zweikampf um, ging zu Boden und hörte mit sofortiger Wirkung seinen WM-Traum platzen. Als dann auch noch mit dem Halbzeitpfiff Caligiuri einen Handelfmeter zum Ausgleich verwandelte, was die Stimmung bei der Borussia wohl endgültig im Keller. Daran änderte auch die zweite Hälfte nichts mehr, sodass an dieser Stelle nur beste Genesungswünsche an Lars Stindl zu richten sind – Endergebnis 1:1.

Mit diesem Ergebnis musste sich auch der Schalker Lokalrivale Borussia Dortmund beim Gastspiel in Bremen zufriedengeben. Der BVB knüpfte zwar an den wiederentdeckten Offensivfußball der Vorwoche an und traf auf ein ähnlich agierendes Bremer Team, konnte die Überlegenheit aber nicht so wirklich in zählbares ummünzen. Marco Reus, über dem aktuell weiterhin das Damokles-Schwert der nahenden WM schwebt, brachte seine Farben mit einem wuchtigen Schuss in Führung, allerdings konnte Delaney für Werder kurz vor der Pause mit einem Lupfer-Kopfball über den senil umherirrenden Bürki ausgleichen. Nach dem Seitenwechsel waren die Dortmunder dann endgültig tonangebend, aber Torhüter Pavlenka und seine Aluminium-Gang brachten die Gäste reihenweise zur Verzweiflung. So blieb es beim 1:1, womit Werder sicherlich zufriedener sein konnte als Borussia Dortmund.

Bundesliga Serientäter

Apropos zufrieden: das ist man in Stuttgart mit 100%iger Sicherheit mit der Leistung von Trainer Tayfun Korkut. Den kaum wurde er unter heftigem Gegenwind auf den Trainerstuhl der Schwaben gesetzt, lief es wie geschnitten Brot. Nicht schön, aber höchsteffizient und stabil agiert der VfB unter Korkut und genau mit dieser Taktik reichte es nun auch gegen Bayer Leverkusen zum Erfolg. Die Werkself rackerte sich im heimischen Stadion ab, rannte, spielte, verschoss einen Elfmeter und ließ reihenweise beste Möglichkeiten liegen. Und was machen die sparsamen Schwaben? Bringen einen Kopfball von Maskenmann Christian Gentner gefährlich auf das Tor und gewinnen mit 1:0. Klassischer korkutesker Fußball, aber der Erfolg gibt ihm Recht – und lässt in Stuttgart sogar noch Träume vom internationalen Geschäft aufkommen.

Dieses hat sich die TSG Hoffenheim mit dem neunten Spiel in Serie ohne Niederlage an diesem Spieltag mehr oder weniger gesichert und versucht nun den ganz großen Wurf mit der Qualifikation für die Champions League. Dabei war vor allem ein Mann verantwortlich für den Heimsieg gegen Hannover 96: Andrej Kramaric. Der kroatische WM-Fahrer bestätigte einmal mehr seine eindrucksvolle Rückrunden-Form und schlug Hannover quasi im Alleingang mit 3:1. Dabei gelang ihm nicht nur ein Dreierpack, sondern er steigerte die Schönheit seiner Tore beharrlich. Das 1:0 musste er nach Einladung von Sané und Vorlage von Serge Gnabry, der sich dabei verletzte und sein Hoffenheim-Kapitel ebenso beendete wie seinen WM-Traum, nur noch über die Linie schieben – ein Leichtes für den Stürmer.

Gnabry als malader Vorlagengeber für den Mann des Spiels Andrej Kramaric (Quelle: Kicker.de)

Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Karaman verwandelte Kramaric nach dem Seitenwechsel dann eine Ecke gekonnt per Volley-Schuss bevor er mit einem gefühlvollen Lupfer über Keeper Tschauner den 3:1 Endstand besiegelte. Wenn Hoffe und Kramaric so weiter machen, müssen sich die Konkurrenten um Platz vier in den letzten beiden Spielen aber noch sehr warm anziehen – und das trotz steigender Temperaturen.

Solche „Probleme“ kennt man in München natürlicherweise nur vom Hörensagen, denn der FCB agiert für gewöhnlich ja in seinem eigenen Kosmos, weit weg von allen anderen Teams der Liga. Das zeigte sich auch einmal mehr im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt, das ausgerechnet im Sandwich der CL-Halbfinal-Spiele gegen Real Madrid stattfinden musste. Niko Kovac bekam so immerhin schon einmal die Chance, sich seinen zukünftigen Arbeitsplatz anzugucken und konnte dabei einige Talente scouten. Die Bayern traten nämlich mit einer besseren Regionalliga-Mannschaft an, ließen die Stars auf der Bank oder gleich auf der Tribüne und machten mit der Eintracht trotzdem was sie wollten. Bundesliga-Debütant Niklas Dorsch brachte den Rekordmeister mit seinem ersten Treffer auf die Siegerstraße bevor Sandro Wagner einmal mehr seine mehr als klar formulierten WM-Ambitionen mit seinem nächsten Treffer unterstrich. Sebastien Haller brachte die nahezu chancenlosen Frankfurt zwar nochmal heran, aber die eingewechselten Rafinha und Süle sorgten für den ungefährdeten 4:1 Heimsieg. Was sagt es über die Liga aus, wenn selbst der dritte Anzug des FC Bayern noch für einen so klaren Sieg gegen ein Team des oberen Tabellendrittels reicht? Jedenfalls nicht viel Gutes – Niko Kovac hingegen gefällt das.

Hoffnung, Angst und Gewissheit

Kommen wir nun aber zu dem Bereich der Tabelle, in dem es wirklich noch um etwas geht: dem Tabellenkeller. Vor diesem Spieltag kämpften noch fünf Teams um die zwei sicheren Plätze am rettenden Ufer der ersten Liga und gegen den bitteren Abgang in die Zweitklassigkeit. Eins davon war und ist auch weiterhin Mainz 05. Im Duell der zuletzt wenig erbaulichen mit RB Leipzig zeigten die 05er aber eindrucksvoll, wie man Abstiegskampf lebt – auch wenn der Schiedsrichter dem Team von Sandro Schwarz durchaus ein wenig unter die Arme griff. In der ersten Halbzeit hätte RBL in Führung gehen müssen, scheiterte aber entweder an der eigenen Unfähigkeit oder an aufopferungsvoll kämpfenden Mainzern. Stattdessen ertönte nach einer halben Stunde die Pfeife des Unparteiischen und es gab Strafstoß für die Gastgeber. Muto war außerhalb des Strafraums leicht getroffen worden, fiel dann ohne weiteren Kontakt im Strafraum um und wurde dafür belohnt. De Blasis übernahm Verantwortung und stellte auf 1:0. Nach dem Pausenpfiff griff der Schiedsrichter dann nochmal spielentscheidend ein: Bell streckte Poulsen per Ellbogen nieder, aber trotz Studium der Videobilder blieb die Pfeife stumm – die zweite Fehlentscheidung an diesem Nachmittag. In der Folge setzten die Bullen den fightenden Mainzern dann zunehmend defensive Fahrlässigkeit entgegen und wurden dafür noch zweimal bestraft. Maxim erhöhte auf 2:0 bevor Baku sein Bundesliga-Debüt mit dem 3:0 krönte. Der Junge befand sich schon auf dem Weg zum Regionalliga Spiel, wurde dann an der Autobahnraststätte ausgesetzt um wenige Stunden später in der Startelf von Mainz 05 aufzutauchen. Geschichten, die der Fußball schreibt – und womöglich für den kleinen Karnevalsverein weiterhin in Liga 1.

Der große Karnevalsverein aus Köln hingegen kann die letzten leisen Hoffnungen begraben und muss sich mit dem sechsten Abstieg der Clubgeschichte abfinden. Dabei lieferten die Geißböcke beim Gastspiel in Freiburg ein wunderbares Spiegelbild der eigenen Saison binnen 90 Minuten ab. Man verschlief komplett den Start in die Partie, kam nicht in die Zweikämpfe und wurde durch Nils Petersen, der schon im Hinspiel eine 3:0 Führung des FC mehr als egalisiert hatte, gleich doppelt bestraft. Erst nach 80 Minuten schien der Wecker bei den Kölnern wirklich zu klingeln, das zweifellos vorhandene Talent im Kader blitzte kurz auf und Leonardo Bittencourt glich binnen fünf Minuten zum 2:2 aus. Doch als man dann dem 3:2 näher kam, rammte Höler den Pfahl ganz tief ins Herz der Kölner und besiegelte in der Nachspielzeit mit dem 3:2 Siegtreffer für den SC Freiburg den Abstieg. Während der SCF somit einen weiteren Schritt in Richtung Ligaverbleib unternahm, muss man sich beim FC fragen, wie man mit diesem Kader in dieser alles andere als starken Liga so dermaßen abgeschlagen absteigen konnte. Aber zumindest eines hat man in der Domstadt noch nicht verloren: den Zusammenhalt. Denn Mit Höger, Hector, Horn und Risse haben bereits die ersten Leistungsträger ihren Verbleib verkündet und auch die Fans stehen noch hinter dem Verein – definitiv ein Pfund für den erneuten Neuaufbau.

Der Abstieg steht fest, aber die Fans bekunden ihre Treue – ein seltenes Bild in Köln (Quelle: Kicker.de)

Neuaufbau? Ist das nicht dieses Modewort, was man in den letzten Jahren beim HSV in etwa so oft benutzt hat wie Toilettenpapier? Gefühlt schon, auch wenn sich seitdem beim Dino herzlich wenig geändert hat. Man steckt, wie jedes Jahr, im Abstiegskampf, war, wie jedes Jahr, schon totgesagt, und scheint, wie jedes Jahr, kurz vor Schluss doch noch aus der Kiste zu krabbeln. Denn genau auf diesem Weg befinden sich die Hamburger aktuell wieder (Quelle Titelbild: Kicker.de). Beim Abstiegsgipfel in Wolfsburg präsentierte sich der HSV einmal mehr spielerisch aktiver und vor allem der Dribbelzwerg Ito machte die Wölfe-Defensive mal so richtig frisch. Den Elfmeter zum 1:0 durch Bobby Wood holte er raus, das 2:0 per Kopf von Lewis Holtby bereitete er vor und plötzlich befanden die Hamburger sich schon zur Halbzeit auf der Siegerstraße. Josip Brekalo brachte unter gütiger Mithilfe von Julian Pollersbeck im Tor des HSV zwar nochmal Würze ins Spiel, aber kurz vor Schluss zeigte Schiedsrichter Siebert erneut auf den Punkt und ermöglichte dem Dino so den Deckel draufzumachen. Kostic scheiterte noch an Casteels, aber im Nachschuss war es ausgerechnet Luca Waldschmidt, der mit seinem zweiten Bundesliga-Tor gegen den VfL Wolfsburg den Sieg eintütete. Der Bundesliga-Zombie HSV beißt sich somit bis auf zwei Punkte an die nahezu leblos agierenden Wölfe heran und schnuppert schon wieder am Wunder. Wie machen die das in Hamburg bloß jedes Jahr auf’s Neue? Irgendwie ist so eine Aufholjagd ja schon auch ein Stück weit Qualität, oder verbietet es sich, in Hamburg von Qualität zu sprechen?

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