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Bundesliga 2017/2018, 31. Spieltag: Quasi im Vorbeigehen nach oben

Die Röcke und Hosen werden kürzer, die Sonne brennt vom Himmel, in öffentlichen Parkanlagen halten sich mehr Menschen auf als zu Spitzenzeiten der Flüchtlingskrise – klingt nach Sommer, war aber am Wochenende des 31. Spieltags dieses Mal schon Mitte April die Realität quer durch’s ganze Land. Was sich wie wunderbares Fußballwetter anhört, war es auch, mit einer kleinen Ausnahme am Sonntagabend. Und passend dazu lieferte der Großteil der Protagonisten auch noch eine wirklich ansehnliche Show – Fußballherz, was willst du mehr?

Bundesliga-Klassenkampf

Vor der Show geht es aber erstmal dahin, wo eher gekämpft als gespielt wird und man sich eigentlich auch nicht zu schade sein sollte, statt Popcorn auch mal Dreck zu fressen – in den Abstiegskampf. Gefühlt hatten sich sowohl der VfB Stuttgart, als auch der SV Werder Bremen bereits vor einigen Wochen aus diesem verabschiedet, aber rein rechnerisch war vor dem Duell der beiden Traditionsteams noch alles möglich. Zumindest für den VfB änderte sich dies durch einen verdienten 2:0 Heimsieg gegen weitestgehend harmlose Bremen, denn mit diesen drei Punkten sicherten die Schwaben sich auch rechnerisch endgültig der Klassenverbleib. Der ewige Christian Gentner besorgte per Kopf die Führung und spielte seinem Team dadurch natürlich perfekt in die Karten, da man in der Folge wunderbar korkutesk das Spiel nach Hause schaukeln konnte – hinten stabil und nach vorne effizient. Werder fand an diesem Nachmittag einfach kein Gegenmittel und musste in der Nachspielzeit dann auch noch das 2:0 durch Özcan schlucken. Somit muss der SVW zumindest in der grauen Theorie noch etwas zittern, auch wenn man die Bremen wohl ebenso wie den VfB Stuttgart nächstes Jahr weiterhin in der Beletage des deutschen Fußballs sehen wird.

Gleiches gilt auch für den FC Augsburg. Die Fuggerstädter werden somit das achte Jahr in Folge erstklassig bleiben, obwohl ihnen das vor der Saison wohl bestenfalls die kühnsten Optimisten zugetraut hätten. Mit einem quasi nie gefährdeten 2:0 gegen den FSV Mainz 05 wurde der Klassenerhalt in der heimischen Arena fix gemacht und den Gästen aus Mainz gleichzeitig verdeutlich, dass sie noch einige To-Do’s vor sich haben, um nicht eine Etage nach unten zu rutschen. Der FCA freute sich neben dem Sieg vor allem über das Comeback von Top-Stürmer Alfred Finnbogason. Der Isländer kam, sah und entschied das Spiel durch eine makellose Vorlage auf Gregoritsch zum 1:0 und dem Deckel drauf machenden 2:0 in der Nachspielzeit. Als dieses fiel, kehrte René Adler gerade von einem gemütlichen Nachmittagsspaziergang aus dem gegnerischen Strafraum zurück und kam pünktlich an, um den Ball im Netz einschlagen zu sehen. Da fiel es dann auch nicht mehr ins Gewicht, dass die Hausherren zwischenzeitlich mit Torchancen wucherten wie bekloppt – Mainz fand offensiv über 90 Minuten einfach nicht statt. Wenn das Abstiegskampf ist, dann ist meine Oma ein Omnibus.

Es fällt mir wirklich schwer das auszusprechen, aber vielleicht sollten die Mainzer sich, zumindest ein kleines bisschen, ein Vorbild am HSV nehmen. Denn egal wie chaotisch und amüsant diese Parodie eines Profi-Fußballvereins agieren mag, wenn es drauf an kam, waren die Hamburger irgendwie immer da. So nun auch im heimischen Volkspark gegen den SC Freiburg – einem Überlebenskampf wie er im Buche steht. Die Rothosen begannen zwar überlegen, die Chancen hatte aber der Sportclub, der lediglich am teilweise überragend haltenden Julian Pollersbeck im HSV-Tor scheiterte. Insgesamt bot das Spiel allerdings ein eher überschaubares Niveau und so entschieden letztlich genau zwei Personen die Partie: Lewis Holtby und Schiedsrichter Benjamin Cortus. Holtby, bekanntlich in neuer Blüte seit sein Fanboy Titz auf der Trainerbank sitzt, schnallte sich kurz nach der Pause die Ski an, nutzte die Freiburger Defensiv-Zentrale als Slalom-Stangen und drückte den Ball letztlich zum 1:0 über die Linie.

Lewis Holty fährt Slalom zur Führung für den HSV (Quelle: Kicker.de)

Cortus hingegen solidarisierte sich, wie schon so viele Kollegen vor ihm, nach 70 Minuten kurzerhand mit dem HSV und schickte nach einem absolut harmlosen Schubser im Mittelfeld den bereits verwarnten Söyüncü völlig unverhältnismäßig vom Platz. Das brach dem SCF dann endgültig das Genick und sicherte den knappen wie verdienten Sieg für den Bundesliga Dino, der nun angesichts von noch 5 Punkten Rückstand auf das rettende Ufer doch tatsächlich einmal mehr versucht den letzten Strohhalm zu greifen. Ganz schön hartnäckig diese Hamburger.

Drei is ne Party

Was Fettes Brot schon treffend feststellte, setzten auch gleich drei Teams an diesem Spieltag um und gewannen allesamt mit 3:0. Der FC Bayern beispielsweise legte dieses Ergebnis beim Gastspiel in Hannover hin, ohne sich großartig anzustrengen. Im, aus Münchener Sicht, Trainingsspiel unter Wettkampfbedingungen vor dem Champions League Kracher gegen Real Madrid kickte der Rekordmeister eine Halbzeit lang den Ball schläfrig über das Feld, bevor nach dem Seitenwechsel mit Thomas Müller, Robert Lewandowski und Javi Martinez drei der 1A-Spieler den Rasen betraten und mit den 96ern kurzen Prozess machten. Vor allem Thomas Müller sprühte nur so vor Spielspaß und ließ Real schon einmal sehen, womit sie von ihm rechnen können. Die 96er hatten dem Ganzen herzlich wenig entgegenzusetzen und ließen es einfach über sich ergehen. Im Grunde also ein klassisches Bayern Bundesligaspiel oder ein Besuch bei den ungeliebten Schwiegereltern.

Ebenfalls eine starke Halbzeit reichte Borussia Mönchengladbach um den VfL Wolfsburg mit 3:0 nach Hause zu schicken. Gegen seltsam lethargisch und teilnahmslos wirkende Wölfe eröffneten Stindl und Raffael unter freundlicher Mithilfe der VfL Defensive den Reigen bevor Christoph Kramer das Schlitzohr in sich entdeckte und sowohl seine Teamkollegen als auch den Gegner völlig auf dem falschen Fuß erwischte. Kurz vor der Pause gab es nämlich Freistoß für die Borussia kurz vor dem Strafraum und während sich die etatmäßigen Schützen noch den Ball zurecht legten und Keeper Casteels seine Mauer in einem Tempo baute, dass schon fast an den BER erinnerte, schoss Kramer den freien Ball einfach ins leere Tornetz.

Schlitzohr Christoph Kramer überrumpelt den gesamten VfL Wolfsburg (Quelle: Kicker.de)

Der Schiedsrichter hatte nichts dagegen und auch die Wolfsburger Proteste hielten sich in engen Grenzen – die Wölfe hatten schlicht und ergreifend gepennt. Mit dem gemütlichen drei Tore Polster im Rücken verwalteten die Fohlen die Partie dann bis zum Ende und werden nun womöglich doch noch auf die Europa League schielen, während Wolfsburg weiterhin mitten im Abstiegskampf feststeckt wie VW in unzähligen Abgasskandalen.

Das dritte Team im Dreier-Bund des Spieltags kommt schließlich durchaus überraschend aus Berlin. Die Hertha musste bei Eintracht Frankfurt ran, immerhin dem frisch gebackenen DFB-Pokal-Finalisten. Die Eintracht wirkte aber durchaus noch etwas verkatert und ließ dadurch in der ersten Hälfte gute Chancen liegen, was sich nach dem Seitenwechsel dann unter gütiger Mithilfe des Schiedsrichtergespanns rächen sollte. Selke zog gegen Hasebe in den Strafraum, wurde vom Japaner leicht berührt, hob dann aber ab, als hätte man ihm mit der Kettensäge die Beine abgenommen. Der Schiedsrichter fiel drauf rein, schaute sich die Szene dann nochmal am Bildschirm an, aber betrachtete die Schauspieleinlage trotzdem als elfmeterwürdig und Selke selbst bedankte sich bei seinem Förderer mit dem 1:0. Nachdem Leckie frei vor Hradecky auf 2:0 erhöht hatte, teilte der frustrierte Hasebe im Mittelfeld mit dem Ellbogen ins Gesicht von Selke aus, zeigte ihm so, was er von ihm hielt und verabschiedete sich vorzeitig in die Sommerpause. Für den 3:0 Endstand sorgte in der Nachspielzeit dann Esswein, der damit den verkaterten Samstag für die Frankfurter perfekt machte.

Der Kampf um den gedeckten Geldtisch

Nachdem mit Eintracht Frankfurt bereits ein Team aus der Spitzengruppe verloren hatte, wollten die anderen fünf im Kampf um das dicke europäische Geld ihre Ausgangsposition natürlich behalten oder möglichst sogar verbessern. Bayer Leverkusen wollte gleichzeitig auch noch die herbe 2:6 Klatsche aus dem DFB Pokal Halbfinale gegen die Bayern aus dem Gedächtnis streichen und reiste dafür nach Dortmund. Dummerweise hatte der BVB nach der Derbyniederlage auf Schalke scheinbar den guten alten Dortmunder Tempofußball im Schrank gefunden und spielte die Werkself von Beginn an schwindelig. Vor allem Marco Reus und der junge Sancho sprühten nur so vor Spielwitz und nahmen den Gegner förmlich auseinander.

Matchwinner Sancho bejubelt sein erstes Bundesliga-Tor (Quelle: Kicker.de)

Die Leverkusener Defensive war über die gesamten 90 Minuten heillos überfordert wie eine Teenie-Mutter mit Drillingen und war am Ende mit vier Gegentore reichlich gut bedient. Mit dem 4:0 untermauert der BVB eindrucksvoll seine Champions League Ambitionen während Bayer 04 nun die Wunden nach einer Woche voller Klatschen lecken muss.

Gesellschaft leistet Bayer dabei wohl RB Leipzig, denn die Bullen bekamen von den heißen Hoffenheimern zuhause eine ordentliche Abreibung wie ein Streber von den Schulschlägern auf dem Pausenhof.  Fünf Eier legten die Kraichgauer den Leipzigern ins Nest und feierten durch das deutliche 5:2 bereits das achte Ligaspiel in Folge ohne Niederlage. Ganz nebenbei marschierten sie so auch noch in der Tabelle an RBL vorbei und klopfen nun vorsichtig sogar an die Champions League Plätze an (Quelle Titelbild: Kicker.de). Wenn die TSG so weiter brennt, dann sollte sich vor allem Leverkusen mächtig warm anziehen. Wenn Leipzig hingegen weiterhin so löchrig verteidigt wie moderne Jeans, dann ist für den Brauseclub womöglich sogar die Europa League in Gefahr.

Das Risiko hatte der FC Schalke nach einer bisher extrem stabilen Saison schon abgewendet. Und mit einem Sieg gegen das Schlusslicht aus Köln sollte zum Abschluss des Spieltags dann auch noch die Königsklasse vorzeitig gesichert werden. Obwohl in Köln der April während des Spiels mal so richtig zeigte, was er so drauf hat, von Sonne, über Hagel bis hin zu sintflugartigen Regenschauern, lief es für S04 sofort wie am Schnürchen. Die Geißböcke waren defensiv völlig von der Rolle und vor allem Konoplyanka spielte seinem bemitleidenswerten direkten Gegenspieler Sörensen reihenweise Knoten in die Beine. Das 1:0 durch Emobolo bereitete der Ukrainer mustergültig vor, das 2:0 machte er nach einem zwei-Pass-Angriff selbst und das dritte Schalker Tor hatte er bei einem Pfostenschuss auf dem Fuß. Doch zwischendurch schwamm plötzlich Leonardo Bittencourt durch den Schalker Strafraum und erzielte doch tatsächlich den Anschlusstreffer.

Wasserschlacht im Kölner Stadion (Quelle: Kicker.de)

Wirklich aus der Bahn warf das Tor die Schalker genauso wenig, wie es die Kölner in die Bahn brachte, denn auch nach dem Seitenwechsel gaben die Knappen weiter den Ton an. Aber mit Mut und Kampfgeist belohnte sich der FC auf seifigem Boden kurz vor Schluss doch noch für sein Engagement. Marcel Risse legte sich einen Freistoß 25 Meter vor dem Tor zurecht, weckte sein Alter-Ego MR7 und knallte den flatternden Ball einfach ins Netz. Dieses 2:2 hielt dann auch bis zum Ende. Dem FC Schalke sichert dieses Ergebnis noch nicht zu 100% die Teilnahme an der Königsklasse und der FC Köln ist damit noch nicht zu 100% abgestiegen. Trotzdem haben aber beide Teams etwas gemeinsam: nach 31 Spieltagen steht für beide das Saison-Ergebnis so gut wie fest.

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