Zum Inhalt springen

Bundesliga 10. Spieltag: Erste Liga, keiner weiß warum

Der Herbst mit ersten winterlichen Tendenzen hat Deutschland fest im Griff – eine perfekte Möglichkeit sich dem 10. Spieltag des Bundesliga zu widmen, auch wenn der Stadionbesuch bei diesen Witterungsbedingungen in etwa so viel Vorfreude entfacht wie ein Besuch beim Zahnarzt.

Ähnliche Gefühle hatten wahrscheinlich auch die Spieler von Borussia Mönchengladbach vor dem Auswärtsspiel am Freitag Abend bei Hertha BSC Berlin. Moment, Gladbach am Freitag Abend? Ja, richtig, die DFL meinte es mal richtig gut mit den Fohlen und ermöglichte trotz Champions League unter der Woche ein Freitagsspiel. Komisch, dass Max Eberl sich da im Vorfeld tierisch drüber aufregte (Ironie aus). Ich wage aber mal zu bezweifeln, dass Gladbach am Samstag besser gegen die Hertha ausgesehen hätte, da die akute Auswärtsallergie der Fohlen, saisonübergreifend nur ein Sieg aus 16 Auswärtsspielen, wirklich stark wirkt. So war es selbst für Salomon Kalou, der bisher eher als Bankwärmer und nicht als Stammspieler zu überzeugen wusste, ein leichtes, die angeschlagenen Fohlen zu erlegen. Zwei Tore binnen 15 Minuten, gepaart mit einer verletzungsbedingten Auswechslung und einer Ampelkarte für den wirren Weltmeister Christoph Kramer und das Spiel war gelaufen. Zwar mühte sich Gladbach nach der Pause in Unterzahl sichtlich, die liegengelassenen Chancen wurden dann aber durch das dritte Tor von Kalou an diesem Abend eiskalt bestraft. Die Borussen bleiben somit im 5. Ligaspiel in Folge sieglos während die Hertha die weiße Weste im Olympiastadion behält und auf 5 Siege stellt.

Das hatten sicherlich auch die Breisgau-Brasilianer aus Freiburg gegen die zuletzt mehr als zahnlosen Wölfe aus der Autostadt so geplant. Aber ein Wolfsburger nahm die Festung Schwarzwald-Stadion fast im Alleingang: Mario Gomez. Der Torero hat scheinbar das Toreschießen wieder für sich entdeckt und sorgte mit seinem Doppelpack gegen ungewohnt fehleranfällige Freiburger für den ersten Sieg seit Ende August. Unterstützt wurde er kurz vor Schluss noch von Ricci Rodriguez, der per Foulelfmeter den 3:0 Endstand besorgte. Diese in Teilen überzeugende Leistung reichte dann sogar aus, um Valerien Ismael zum Cheftrainer zu befördern. Auch wenn es sicherlich schönere Plätze zum Arbeiten gibt als Wolfsburg – herzlichen Glückwunsch.

Diese Worte fielen auch in Hamburg am Samstag sehr häufig, allerdings hatte der HSV damit absolut nichts zu tun (Quelle Titelbild: Sportschau.de). Uwe Seeler, die Hamburger Legende schlechthin, feierte seinen 80. Geburtstag im Volksparkstadion und Borussia Dortmund war extra zum Gratulieren angereist. Nur schade, dass der HSV den Anlass scheinbar nicht verstanden hat, und nicht dem eigenen Idol sondern Borussia Dortmund die Geschenke machte. Erst Rene Adler, dann Johann Djourou, dann alle drei Innenverteidiger zusammen mit Rene Adler und schon stand es 3:0 für den BVB. Nutznießer war in allen drei Fällen Pierre-Emerick Aubameyang, der so reichlich Gelegenheit hatte, sich bei seinem Coach für seinen unerlaubten Shopping-Trip nach Mailand unter der Woche zu entschuldigen. Nach der Pause sorgten dann er und der eingewechselte Dembele unter weiterhin tatkräftiger Mithilfe der HSV „Defensive“ mit den Toren vier und fünf für das nächste Debakel des Dinos. Aber halt, es geschah noch etwas, was man für ähnlich unwahrscheinlich gehalten hat, wie die Existenz von Intelligenz bei Pietro Lombardi: Der HSV trat tatsächlich offensiv zählbar in Erscheinung und verdoppelte einfach mal seine bisherige Torausbeute. Wahnsinn, oder? Nach über 700 torlosen Minuten traf Nikolai Müller direkt doppelt und sorgte so für den 2:5 Endstand. Dass der HSV trotzdem weiterhin die rote Laterne inne hat, magere 4 Tore nach 10 Spielen aufweist, unter Neu-Coach Gisdol weder Linie noch irgendeine Verbesserung festzustellen ist und auch im Umfeld weiterhin alles drunter und drüber geht, spottet jeder Beschreibung. Selbst die Elbphilharmonie ist nun fertig, weit bevor der HSV Erfolg hat. Die Hamburger Fans stürzen sich in Selbstironie und Dukaten Diddi scheint sein bisher in zwei Relegationen verpasstest Lebenswerk endlich zu Ende bringen zu wollen und den Hamburger SV in die 2. Liga zu führen. Wer kann den Dino da noch retten?

Selbstironische Fans des HSV (Quelle: Kicker.de)
Selbstironische Fans des HSV (Quelle: Kicker.de)

Vielleicht ja Markus Kauczinski. Der bisherige Coach des FC Ingolstadt wurde am Sonntag nach der 0:2 Heimniederlage gegen den FC Augsburg freigestellt und passt eigentlich perfekt ins Anforderungsprofil des HSV, schließlich steht der FCI vor ihnen, wenn auch nur aufgrund des weniger schlechten Torverhältnisses. Denn durch diese Niederlage bleiben auch die Schanzer nach 10 Spielen sieglos und dümpeln mit mickrigen zwei Punkten im Tabellenkeller rum. Eingebrockt haben ihnen das diesmal die Augsburger Joker Bobadilla und Altintop, die den 2:0 Auswärtssieg in der Schlussphase fest machten. Das drohende Ungemach in Form des Freistoßes vom bulligen Bobadilla, der das 1:0 bedeutete, ist den Spielern des FC Ingolstadt deutlichst anzusehen.

Freistoß zur Führung des FCA (Quelle: Sportschau.de)
Freistoß zur Führung des FCA (Quelle: Sportschau.de)

 

Das drohende Unheil ahnten wahrscheinlich auch schon die Darmstädter Spieler bei ihrem Auswärtstrip zu Bayer Leverkusen. Womöglich haben sie sich aber auch auf eine Werksbesichtigung bei Bayer gefreut, denn nach Fußball sah das ganze in der ersten Halbzeit nur bedingt wirklich aus. Einzig „Sultan“ Hakan Calhanoglu nahm sich ein Herz und drosch den Ball aus knapp 22 Metern ins Tor. Scheinbar war den Darmstädter Hobbykickern nicht bekannt, dass der türkische Nationalspieler nen passablen Schuss hat. Aber Leverkusen wäre in dieser Saison nicht Leverkusen, wenn sie nicht hinten pennen würden. Profiteur war diesmal der frisch eingewechselte Colak, der kurz nach der Pause den Ausgleich besorgte. Leverkusen ließ sich aber nicht davon beeindrucken wie pubertierende Mädchen von Halbstarken in Papas BMW, sondern ging direkt wieder in die Offensive und stellte so schnell auf 3:1. Da half den Lilien auch der erneute Anschluss zum Endstand von 3:2 durch den ebenfalls eingewechselten Vrancic nicht mehr. Darmstadt bleibt somit punktlos und ein gern gesehener Gast in deutschen Stadien während Leverkusen den zweiten Sieg in Folge in der Bundesliga bejubeln durfte.

Darüber können die Mannen von Taktikfuchs Nagelsmann bei der TSG Hoffenheim nur müde lachen. Fünf Siege in Folge standen bis zum Samstag Nachmittag zu buche, als die Kraichgauer beim Rekordmeister in der Allianzarena zu Gast waren. Ein hoffnungsloses Unterfangen? Mitnichten! Die Hoffenheimer zeigten den Münchenern vor allem in der ersten halben Stunde, wieso ihre Saison bisher so erfolgreich verlief und gingen dann auch verdient in Führung. Der beim HSV für zu schlecht befundene Demirbay hämmerte den Ball am Ende eines feinen Spielzugs aus 16 Metern in den Winkel, sodass selbst der übliche Reklamierarm von Manuel Neuer keine Chance hatte zum Einsatz zu kommen. Die Bayern wurden in der Folge zielstrebiger und kamen durch ein Eigentor von Zuber noch vor der Halbzeit zum Ausgleich. Nach dem Pausentee nahmen die Münchener dann endgültig das Heft des Handelns in die Hand und drängten die Hoffenheimer mehr und mehr hinten rein. Einzig ein weiteres Tor blieb ihnen vergönnt, auch weil Thomas „Kasperle“ Müller derzeit mehr Scheiße am Schuh hat als klein Kevin nach dem Spielen auf der Hundewiese. So blieb den Bayern am Ende nichts anderes übrig, als sich in ihren komplett roten Trikots aus Plastikflaschen aus dem Ozean über die verlorenen Punkte zu ärgern.

Vidal ärgert sich über die vergebenen Chancen (Quelle: Kicker.de)
Vidal ärgert sich über die vergebenen Chancen (Quelle: Kicker.de)

 

Ärgern ist auch das richtige Stichwort für das Abendspiel am Samstag zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Köln. Denn die Geißböcke haben, zum wiederholten Male, die Anfangsphase verpennt und gerieten gegen zielstrebige Frankfurter bereits nach 5 Minuten in Rückstand. Zwar wurde ihnen ein klarer Handelfmeter vom Schiedsrichtergespann verweigert, wirklich aufgewacht sind die Spieler aber erst in der zweiten Halbzeit. Da erarbeiteten sich die nun deutlich stärkeren Kölner zahlreiche Chancen, von denen aber keine zum Ausgleich genutzt werden konnte. So blieb es am Ende bei 1:0 für die Eintrach, die so nach Punkten mit dem FC gleichzog. Beide machen es sich also im oberen Mittelmaß der Tabelle bequem.

Dort hatten so manche Experten auch RB Leipzig vor der Saison gesehen, momentan heißt es aber viel mehr Tabellenspitze als Mittelmaß. Denn die roten Bullen schickten am Sonntag nach einer vor allem in der ersten Halbzeit überzeugenden Leistung müde Mainzer mit 3:1 zurück nach Hause. Vor allem läuferisch ist es weiterhin beeindruckend, was die junge Truppe von Trainer Hasenhüttl auf dem platz abliefert. Timo Werner und Emil Forsberg machten Tore und Vorlagen unter sich aus und besorgten schon zur Pause eine beruhigende 3:0 Führung. In der Kabine gab es dann scheinbar RedBull vom Stadionbüdchen für die Mainzer, denn sie wirkten im Anschluss deutlich wacher, was aber womöglich auch mit dem Schongang der Leipziger zusammenhing. So kamen sie noch zu 3:1 Anschlusstreffer durch Bell. Der hochverdiente Sieg der Rasenballsportler geriet aber zu keinem Zeitpunkt in Gefahr, sodass am Ende des Spieltags RB punktgleich mit dem großen FC Bayern von oben grüßt.

In diese Tabellenregionen möchte auch der FC Schalke wieder vorstoßen. Nach dem total verschlafenen Saisonstart mit fünf Niederlagen ist es allerdings noch ein weiter Weg bis dahin. Zum Abschluss des Spieltages gastierte dann Werder Bremen auf Schalke und wollte rote Ampel auf dem Schalker Weg nach oben spielen. Bei Grün als Vereinsfarbe kein so kluges Unterfangen, sodass es nicht verwundert, dass die Knappen am Ende als Sieger vom Platz gingen. Alessandro Schöpf und Nabil Bentaleb staubten binnen drei Minuten jeweils so klassisch ab, dass die Ulf Kirstens und Martin Max dieser Welt sich zuhause nur zufrieden selbst auf die Schulter klopfen konnten. Zwar stellte Olympiaheld Gnabry nach Foul von Schöpf kurz vor der Pause noch den Ausgleich vom Punkt her, jedoch machte der junge Österreicher seinen Fehler in der zweiten Halbzeit wieder wett und entschied das Spiel mit dem 3:1 zu Gunsten von Königsblau. Der Nouri-Zauber bei Werder scheint schneller verflogen als gedacht während bei Schalke nach elf Punkten aus den letzten fünf Spielen der Weinzierl Effekt langsam zu wirken beginnt.

Da nun mal wieder eine Länderspielpause mit dem harten WM-Quali Spiel gegen die Olivenölverkäufer, Buchhalter und Pizzabäcker aus San Marino sowie einem Freundschaftsspiel gegen Italien bevorsteht, lohnt ein Blick auf die Tabelle nach dem 10. Spieltag. In zwei Wochen geht’s dann weiter. Bis dahin: Gut Kick!

tabelle_10-spieltag

 

Ein Kommentar

  1. Anonymous Anonymous

    Mit großem Spaß lese ich immer wieder Deine Spieltagskommentare. Du machst dies super.
    Harald

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.