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Bundesliga 2017/2018, 30. Spieltag: Das Revier strahlt in blau-weiß

Wenn das erste Mal die 3 bei einem zweistelligen Spieltag vorne steht, wird auch dem letzten Fußball-Fan bewusst, dass die Bundesliga-Saison endgültig auf die Zielgerade eingebogen ist. Die Meisterschaft ist zwar seit dem letzten Spieltag auch offiziell entschieden, aber trotzdem sind noch einige Entscheidungen spannend und offen – sowohl oben als auch unten. Also nichts wie rein in Spieltag Nummer 30 und mit dem nachträglichen Genuss der von der Bundesliga kredenzten Leckereien beginnen.

Für jeden Geschmack ein Remis

Beginnen wir das Neun-Gänge-Menü diesmal in Wolfsburg, wo der örtliche VfL den FC Augsburg empfing. Strömender Regen mitten im niedersächsischen Niemandsland, zwei Teams, die selbst nicht mehr wussten, was Fußball ist und das Ganze an einem Freitagabend vor nur bedingt besetzten Rängen – es klingt so grausam, wie es leider auch war. Vor allem die erste Halbzeit hatte mal so gar nichts mit Fußball zu tun. Nach dem Seitenwechsel wurde es zwar besser, aber von gut war man in der Autostadt trotzdem noch so meilenweit entfernt wie von der abschließenden Klärung des Diesel-Skandals. Daher verwundert es nicht, dass nach 90 Minuten zwar zwei Ampelkarten in den Büchern standen, jeweils eine für Augsburgs Moravek und Wolfsburgs Uduohkai, aber dafür keine Tore. Wer den Freitagabend lieber mit dieser Zumutung als im Bett, beim Sport, mit Freunden oder dem Aufräumen des Kellers verbracht hat, dem gebührt mein tiefstes Mitgefühl.

Etwas weniger harte Kost wurde hingegen in Stuttgart geboten. Der VfB empfing im Aufsteiger-Duell um den goldenen Mülleimer Hannover 96 zu einem entspannten Frühlingskick bei besten Bedingungen und ohne das es für eine der beiden Mannschaften noch um irgendetwas ging. Daher plätscherte die Partie auch ruhig vor sich hin, bis Erik Thommy sich ein Herz fasste und den Ball aus gut 16 Metern einfach mal schön in den Giebel schraubte. Plötzlich führten die Hausherren und es entwickelte sich doch in der Schlussphase tatsächlich noch so etwas wie ein Fußballspiel. In der Nachspielzeit war es dann Niklas Füllkrug, der den Schlusspunkt setzte und den 1:1 Endstand per Kopf besorgte.

Niklas Füllkrug steigt höher als Holger Badstuber und stellt auf 1:1 (Quelle: Kicker.de)

Der 96-Stürmer entschied sich im finalen Duell mit Holger Badstuber für den Aufzug, während der Ex-Münchener scheinbar die Treppe wählte und so einfach nicht schnell genug nach oben kam. So stand am Ende ein leistungsgerechtes Unentschieden, was keinen voran bringt, aber auch keinen weh tut – das Mittelmaß der Liga eben.

Zu diesem gehört auch Werder Bremen, allerdings haben sich die Norddeutschen zuletzt durchaus einen Namen in Sachen ansehnlichen Offensivfußballs gemacht. Im Heimspiel gegen RB Leipzig untermauerten sie dies dann auch von Beginn an und spielten die Gäste aus Sachsen schlichtweg an die Wand. Angriff um Angriff rollte in Richtung des Leipziger Tores wie die Wellen der Nordsee an die Hafenbefestigungen und irgendwann geschah dann, was geschehen musste: Maserati Max Kruse, bekanntlich das feinste Füßchen in ganz Bremen, testete mit einem Schuss von der Strafraumkante Gulasci und die Torumrandung, der Ball landete von dort auf dem Fuß von Moisander und der Finne murmelte den Ball in aufreizend gemächlichem Rolltempo zur Führung über die Linie. Trotz weiterer Chancen blieb es bis zum Pausentee bei der 1:0 Führung, ehe den Rasenballsportlern in der Kabine dann augenscheinlich der Taurin-Tropf direkt an die Venen angeschlossen wurde. Denn plötzlich spielte nur noch Leipzig und Bremen bekam kaum mehr einen Fuß auf die Erde. Der eingewechselte Lookman besorgte kurz nach Wiederanpfiff den Ausgleich und fortan schwamm die Bremer Defensive wie beim Weserhochwasser. Letztlich änderte sich aber nichts mehr am Ergebnis dieses äußerst unterhaltsamen Fußballspiels, was angesichts der klaren Verteilung der Halbzeiten insgesamt auch völlig in Ordnung ging.

Hoffnung und Enttäuschung im Tabellenkeller

Mindestens genauso in Ordnung geht eine Tatsache, die eigentlich schon nach der Hinrunde feststand: der 1.FC Köln wird den Gang in die 2. Liga antreten müssen. Nach dem nicht gewonnenen Endspiel aller Endspiele gegen Mainz 05 wurde nun für das Auswärtsspiel in Berlin gar nicht erst ein neues Endspiel ausgerufen, sondern einfach Fußball gespielt. Das gelang den Geißböcken allerdings nur äußerst rudimentär und trotzdem lag man zur Pause in Front. Abschlag Horn, Kopfballverlängerung Cordoba, Tor Bittencourt – nicht mal ein echter Spielzug, aber trotzdem lag man gegen die besseren Berliner vorn. Dummerweise bedeutete das schon zuletzt überhaupt nichts Gutes für die Kölner und so kam es dann auch in der Hauptstadt. Davie Selke brauchte nach dem Seitenwechsel gerade einmal zwei Torschüsse und drei Minuten Zeit zwischen der 49. und 52. Minute um das Spiel im Alleingang zu drehen. Dass die Kölner Hintermannschaft dabei in beiden Fällen eher an einen Haufen kopfloser Hühner als an eine Gruppe Fußballprofis erinnerte, ist ja schon fast Normalzustand. Nach diesem Doppelschlag versuchte es der FC zwar nochmal, aber genauso gut hätten sie die Berliner auch mit Zuckerwatte bewerfen können – am Ergebnis hätte beides nichts geändert. Und so endete auch das vorerst wohl drittletzte Auswärtsspiel für die Domstädter mit einer 1:2 Niederlage. Die Abschiedstournee kann damit auch offiziell beginnen.

Wie man so eine Tour plant, aber im letzten Moment doch noch komplett absagt, weiß man wohl nirgendwo besser als in Hamburg. Dort liebt der HSV bekanntlich seit Jahren den Kick des Tanzes am Abgrund, fällt aber doch immer wieder auf die richtige Seite und gelobt dann Besserung. Nach dem überraschenden wie überzeugenden Sieg gegen Schalke 04 sah es plötzlich auch dieses Jahr wieder so aus, als würde der Dino vielleicht doch noch die Kurve kriegen. Doch dann ging es zu den Hoffnungsräubern aus Hoffenheim und der Daumen tendiert wieder ganz klar nach unten. Wie schon gegen Wolfsburg und den 1.FC Köln dominierten die Kraichgauen vom Anpfiff weg und ließen die Hamburger aussehen wie eine überforderte Schülermannschaft. Anfällig wie ältere Herrschaften für die Grippe fing der HSV einen Angriff nach dem anderen und konnte am Ende froh sein, nicht komplett in alle Einzelteile zerlegt worden zu sein. Der momentan wohl heißeste Spieler der Liga, Serge Gnabry, und Adam Szalai stellten schon zur Halbzeit auf 2:0 und damit waren die Gäste aus der Hansestadt mehr als gut bedient.

Serge Gnabry läuft weiter heiß und trifft wie er will (Quelle: Kicker.de)

Dass es nach 90 Minuten bei diesem Ergebnis blieb, lag zum einen an den ausgiebigen Aluminiumtests der TSG, zum anderen am Schiedsrichtergespann, welches gleich zwei Tore berechtigterweise nicht anerkannte. Hoffenheim marschiert somit weiter in Laufschuhen Richtung Europa, während der Dino womöglich dieses mal tatsächlich im Büßergewand gen Keller fahren wird.

Das liegt auch daran, dass mit Mainz 05 doch tatsächlich von den Kellerkindern ein Team es gewagt hat zu gewinnen. Im letzten von Protesten begleiteten Montagsspiel der Saison bezwangen die 05er den direkten Konkurrenten aus Freiburg mit 2:0 und zogen die Breisgauer somit direkt mal auf den Relegationslatz nach unten. Der Weg zu diesem Sieg kann aber durchaus als kurios bezeichnet werden. Bis zum Pausenpfiff passierte quasi gar nichts auf dem Rasen und Schiedsrichter Winkmann hatte schon zum Pausentee gebeten, als er einen Hinweis aus Köln auf’s Ohr bekam und aufgrund eines Handspiels im Freiburger Strafraum alle Mann nochmal auf’s Feld zitierte um den fälligen Elfmeter auszuführen. Während so mancher Fan schon in der Schlange am Würstchenstand wartete oder sich auf dem stillen Örtchen erleichterte, trat Pablo de Blasis an und stellte auf 1:0. Und der kleine Mann wurde in der zweiten Halbzeit zu einer noch größeren Person des Spiels, als er einen mega Blackout von SCF Keeper Schwolow nutzte, um mit gütiger Hilfe des Innenpfostens den Ball zum 2:0 im leeren Tor unterzubringen. Die Gäste aus Freiburg wachten erst viel zu spät in der Schlussphase auf, als das Kind schon längst in den Brunnen gefallen war. Das Dreier-Rennen um der Relegationsplatz bleibt somit deutlich spannender als die Belegung der direkten Abstiegsränge oder gar die Meisterschaft.

Bonus-Bayern und Big Points

Die haben sich die Über-Bayern bekanntermaßen bereits letzte Woche endgültig gesichert, obwohl schon vorher lange feststand, dass die Schale gewohnheitsmäßig nach München geliefert wird. Nebenbei wurde nun auch noch das Champions League Halbfinale erreicht, sodass man meinen könnte, dass die Liga ja eigentlich abgeschenkt werden könnte. Darauf spekulierte womöglich auch Borussia Mönchengladbach beim Gastspiel in der Allianzarena, vor allem auch nachdem Josip Drmic Süle wie eine Straßenlaterne stehen ließ und nach gerade einmal 9 Minuten zur Gäste-Führung traf. Wer die Bayern kennt, weiß aber, dass so ein Gegentor sie ganz schön fuchsig macht und so war es dann auch dieses Mal. Der Rekordmeister schaltete zwei Gänge hoch und plötzlich Stand es trotz äußerst potenter Bank (Lewandowski, Robben, Martinez u.a.) am Ende 5:1 für die Münchener. Sandro Wagner empfahl sich dabei mit einem Doppelpack nochmal nachdrücklich für die WM und am Ende kann man wohl festhalten: wer gegen den FCB 1:0 führt, der stets verliert. Und die Heynckes Bayern lassen auch trotz Triple-Traum nicht von der verwundeten Beute in der Bundesliga ab.

Ob das unter Niko Kovac in der neuen Saison wohl auch so sein wird? Der Noch-Frankfurter Schwindelbruder wurde unlängst als neuer Bayern-Coach bestätigt und stand daher logischerweise vor dem wichtigen Gastspiel in Leverkusen mehr im Fokus als das Spiel selbst. Dass er weiterhin behauptet, auf Basis eines einzigen kurzen Telefonats spontan einem Vertrag in München zugestimmt zu haben, lässt ihn dabei in keinem sonderlich schönen Licht stehen. Dazu passte dann auch die Leistung seiner Eintracht auf dem Rasen. Zwar konnte Marco Fabian quasi postwendend die verdiente Bayer-Führung durch Julian Brandt ausgleichen, aber gegen Kevin Volland war in der Folge kein Kraut mehr gewachsen.

Kevin Volland mit dem Blitz-Dreierpack (Quelle: Kicker.de)

Der immer etwas moppelig wirkende Stürmer schnürte binnen 17 Minuten einen blitzsauberen Dreierpack und sorgte somit quasi alleine für den 4:1 Endstand für die Werkself. Dass seine Tore 2 und 3 sich dabei so sehr glichen, dass es schien, als hätte jemand zurück gespult und die Szene nochmal laufen lassen, spricht nicht gerade für das Frankfurter Abwehrzentrum. Bayer Leverkusen wird’s egal sein, während man in Frankfurt nicht nur den Trainer, sondern womöglich auch noch den Lohn für eine eigentlich super Saison zu verlieren droht. Die Champions League jedenfalls dürfte wohl endgültig ohne die Eintracht stattfinden.

Ganz anders die Ausgangslage beim heißesten Duell der Liga (Quelle Titelbild: Kicker.de) . Wenn der FC Schalke Borussia Dortmund empfängt, ist eh schon von Natur aus Feuer drin. Aber wenn es dann seit Jahren das erste Mal auch um die echte Vorherrschaft im Revier und gleichzeitig auch um die inoffizielle deutsche Ex-Bayern-Meisterschaft geht, dann kriegt das Revierderby direkt nochmal eine extra Ladung Würze ab – und ich meine dabei nicht das gute Currypulver auf der Wurst. Eine wirklich heiße Partie entwickelte sich dann aber nur bedingt, denn nach einer guten Dortmunder Anfangsphase übernahm Königsblau das Kommando und gab es auch bis zum Ende nicht mehr ab. Die Knappen agierten bissiger, leidenschaftlicher und einfach besser, während der BVB durchweg pomadig, lust- und ideenlos wirkte wie die Jugend von heute. Erst nach dem Seitenwechsel fand sich die Überlegenheit der Gastgeber dann aber auch auf der Anzeigetafel wieder. Schmelzer tappte in die Schalker Pressingfalle, verlor im Spielaufbau an den starken Caligiuri den Ball, der wiederum dem quirligen Konoplyanka wunderbar das 1:0 auf den Fuß legte. Den Sack zu machte aber etwas später jemand anderes, dem zweifellos nach dieser Saison der Titel des „Derby-Superhero“ zusteht: Naldo. Der turmhohe Brasilianer, der mit dem Alter zu reifen scheint wie guter Wein, erstickte hinten jegliche Dortmunder Angriffsbemühungen und sorgte vorne mit einem Raketen-Freistoß aus 28 Metern für die endgültige Entscheidung und den 2:0 Endstand.

Naldo nagelt den Ball zum Derbysieg in die Maschen (Quelle: Spiegel.de)

Mit 128 km/h schlug der Ball ein und wäre somit selbst auf der Autobahn bei einem Tempolimit von 120 mit erhöhter Geschwindigkeit geblitzt worden. Nach dem Tor zum 4:4 im Hinspiel und der Entscheidung im Rückspiel dürfte wohl so mancher Bub in Gelsenkirchen in spätestens 9 Monaten den Namen Naldo tragen. Naldo Koslowski klingt ja auch nicht übel, oder? Schalke ist jedenfalls in diesem Jahr die Nummer 1 im Pott während der BVB im Sommer dringend auf die Suche nach der eigenen Identität und Spielidee gehen sollte – davon ist aktuell nämlich absolut gar nichts mehr zu sehen. Ein Blick zum königsblauen Nachbarn könnte dabei ja durchaus als Inspiration dienen.

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